Sophie Scholl

sophie schollSophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg/Kocher (Württemberg) als Tochter des liberalen Bürgermeisters Robert Scholl und dessen Frau Magdalene (geb. Müller) geboren. Sie wächst in Ulm auf. Erzogen wird sie in christlich-humanistischem Geiste. Weil sie während ihrer Gymnasialzeit (wie auch ihr älterer Bruder Hans Scholl) zunächst an das von den Nationalsozialisten propagierte Gemeinschaftsideal glaubt,  tritt sie dem Bund Deutscher Mädel bei.

Sophie Scholl beginnt 1940 eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Durch Eindrücke während des Arbeits- und Kriegshilfedienstes entwickelt sie bald eine Abwehrhaltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime. 1942 nimmt sie an der Universität München ein Biologie- und Philosophiestudium auf. Durch ihren ebenfalls in München Medizin studierenden Bruder kommt sie in Kontakt mit anderen Studenten, die sie in ihrer Ablehnung gegen den Nationalsozialismus bestärken. Entschlossen zur illegalen öffentlichen Kritik, beteiligt sie sich an der Verbreitung von Flugschriften der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Die Mitglieder der "Weißen Rose" verschicken ihre Aufrufe, legen sie in Telefonzellen und in parkende Autos und geben sie zur Verteilung an Kommilitonen in anderen Städten.
Im Januar 1943 ist Sophie Scholl erstmals an der Herstellung eines Flugblatts beteiligt. Die u. a. in Köln, Stuttgart, Berlin und Wien verteilten Flugschriften verursachen Aufsehen und führen zu einer intensivierten Fahndung nach den Urhebern. Schon bald vermutet die Geheime Staatspolizei die Autoren der Flugblätter in Münchener Studentenkreisen.

Am 15. Februar 1943 erfolgen die Fertigstellung und der Versand des sechsten Flugblatts mit dem Aufruf, das NS-Regime zu stürzen und ein "neues geistiges Europa" zu errichten. Es wird in England nachgedruckt, von britischen Flugzeugen über Deutschland abgeworfen. Der Inhalt wird außerdem durch den Sender British Broadcast Corporation (BBC) verbreitet.

Am 18. Februar 1943 verteilen die Geschwister Scholl etwa 1.700 Flugblätter in der Münchener Universität. Ein Hausmeister meldet sie bei der Gestapo. Sophie und Hans Scholl werden gemeinsam mit Christoph Probst, einem weiteren Mitglied der "Weißen Rose", verhaftet.

Nach dreitägigem Verhör folgt am 22. Februar der Prozess vor dem Volksgerichtshof. Den Vorsitz führt Roland Freisler. Die Geschwister Scholl und Christoph Probst werden zum Tode verurteilt und noch am selben Tag im Strafgefängnis München-Stadelheim hingerichtet.

Maike Menzner-Bajgora

Das Portrait ist ein Geschenk von Jürgen Jaumann an das Sophie-Scholl-Gymnasium und hängt im 1. Stock unserer Schule.

 

Vor 70 Jahren: „Weiße Rose“ angeklagt!

 

„Es fallen so viele Leute für das Regime, es wird Zeit das jemand dagegen fällt.“
(Sophie Scholl 16. Februar 1943)


Der 18. Februar 1943 verändert das Leben von Sophie und Hans Scholl und allen anderen Mitgliedern der „Weißen Rose“ schlagartig. An diesem Tag verteilten sie ihr letztes Flugblatt im Lichthof der Universität München und die Geschwister wurden anschließend verhaftet. In den nächsten Tagen wurden noch weitere Mitglieder der „Weißen Rose“ verhaftet und nach München Stadelheim überführt. Nach langen Verhören begann die Verhandlung gegen die Geschwister Scholl und Christoph Probst am 22. Februar vor dem Volksgerichtshof.

Dieser war das formal höchste Gericht im Dritten Reich. 1934 wurde er als Sondergericht für Hochverrat und Landesverrat eingerichtet. Hitler war nach dem Reichstagsbrand unzufrieden mit dem herrschenden Rechtssystem und wollte ein Gericht einführen, dessen einzige Aufgabe es ist, politische Gegner auszuschalten. 1936 erfuhr er die Umwandlung in ein ordentliches Gericht und damit eine Ausweitung seiner Zuständigkeiten. Ein Urteil vom Volksgericht konnte nur durch ein Gnadengesuch beim Führer persönlich umgewandelt werden.

Die Angeklagten bekamen vom Vorsitzenden genehmigte Pflichtverteidiger und hatten faktisch keine Rechte. Bei dem Schauprozess gegen die Mitglieder der „Weißen Rose“ beobachtete Leo Samberger den Prozess, damals Jura-Student und Gerichtsreferendar.
Die Verhandlung am 22. Februar 1943 gilt als Schauprozess, der ausschließlich vor einem ausgesuchten Publikum stattfand. Durch einen Zufall gelangen auch die Eltern Scholl in den Gerichtssaal, wurden jedoch vom Vorsitzenden Roland Freisler hinausgeworfen. Angeklagt waren die Studierenden wegen "landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetzung". Man hatte den Angeklagten zwar Pflichtverteidiger zur Seite gestellt, die haben allerdings keinen Finger gerührt, um sie zu verteidigen. Auch die geladenen Zeugen wurden nicht gehört. Leo Sambergers Bericht wurde inzwischen mehrfach veröffentlicht, unter anderem von Inge Scholl in Auszügen in der erweiterten Neuauflage ihres Buchs "Die Weiße Rose" (1993). Er kam in den Gerichtssaal als die Verhandlung schon im vollen Gange war. Er schreibt: „Ich glaubte festzustellen, dass die meisten bleich waren vor Angst, die sich vom Richtertisch her ausbreitete. (…) Allen voran die tobende, schreiende, bis zum Stimmüberschlag brüllende, immer wieder explosiv aufspringende Figur des berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshof: Roland Freisler.“ Er erkannte die "Gesamttendenz des Vorsitzenden Freisler (...), die Angeklagten immer wieder als eine Mischung von Dümmlingen und Kriminellen hinzustellen (...)".
Die jungen Leute auf der Anklagebank blieben Berichten zu Folge ruhig und ließen die Verhandlung über sich ergehen. Alle schienen nach den stundenlangen Verhören im Gefängnis mit der Todesstrafe zu rechnen. Einzig Christoph Probst, Vater von drei kleinen Kindern, versuchte eine milde Strafe zu erreichen. Dies wurde jedoch von Freisler abgelehnt. Nach knapp drei Stunden Verhandlung stand das Urteil fest. (Das Urteil mit seiner Begründung kann auf der Internetseite der politischen Bildung nachgelesen werden. Aufbewahrt wird es im Bundesarchiv unter folgendem Aktenzeichen: BArch ZC 13267/ Bd.8.) Die Eltern Scholl versuchten noch ein Gnadengesuch einzureichen (BArch, ZC 13267/Bd.12). Doch schon vor deren Rückkehr nach Ulm wurden die drei Verurteilten nur vier Stunden nach der Verhandlung in München Stadelheim hingerichtet.
Am 25. Januar 1985 stellten die Fraktionen des Deutschen Bundestags fest, „dass die als 'Volksgerichtshof' bezeichnete Institution kein Gericht im rechtsstaatlichen Sinne, sondern ein Terrorinstrument zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Willkürherrschaft war."

Melanie Schneider

Quelle: www.bpb.de
„Das kurze Leben der Sophie Scholl“, Hermann Vinke

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