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Die Süddeutsche Zeitung berichtet berichtet über die Verleihung des Titels "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" an das Sophie-Scholl-Gymnasium.


Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

schule ohne rassismusDas SSG ist jetzt auch offiziell eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Der Titel wurde am 12. September auf der Schulversammlung zum Schuljahresanfang feierlich von Herrn Schneider-Velho, dem Regionalkoordinator des Schulnetzwerks, verliehen.

 

Hier geht es zur Videobotschaft unseres Paten Willi Weitzel.

 

Bei der Verleihung hielt die letztjährige Schülersprecherin Yvonne Stirner, die mit der SMV das Projekt initiiert hat, eine flammende Rede:

 

Liebe Schülerinnen, Lehrerinnen, Lehrer und sehr geehrter Herr Schneider-Velho,

 

schule ohne rassismus normalb1wie alle hoffentlich mitbekommen haben, haben wir uns im letzten Schuljahr dazu verpflichtet gegen jede Ideologie der Ungleichheit vorzugehen und sind jetzt eine Schule ohne Rassismus mit Courage. Vielen Dank an alle Schülerinnen, das Lehrerkollegium und die anderen Mitglieder unserer Schulfamilie für das fleißige Unterschreiben. Außerdem möchte ich mich bei Fini und Marie und dem AK Schulleben und Politik bedanken. Gemeinsam haben wir das Projekt bekannt gemacht und die Unterschriften gesammelt.

 

Ich denke es ist nochmal erwähnenswert, wie wir überhaupt auf die Idee gekommen sind uns dem größten Schulnetzwerk Deutschlands anzuschließen. Frau Kaindl, unsere Verbindungslehrerin, hat uns, also die Schülersprecherinnen und SMV des letzten Schuljahrs, auf das Projekt aufmerksam gemacht. Wir waren uns schnell einig, dass die Beschreibung super auf unsere Schule passt. Soziales Engagement ist an unserer Schule mit sozialwissenschatlichem Zweig weit verbeireitet, ob das jetzt unsere großartige SMV ist oder einzelne Schülerinnen, die sich privat engagieren. Auch braucht man sich nur hier in der Turnhalle umsehen und schnell wird klar, dass wir unglaublich vielfältig sind und die verschiedensten Kulturen, Religionen, Hautfarben oder Lebensweisen hier vertreten sind und Rassismus oder sonstige Diskriminierungen eigentlich keinen Platz haben. Und dann ist Sophie Scholl noch unsere Namensgeberin. In einer Zeit, in der es alles andere als normal war so zu handeln, setzte sie sich für ihre Mitmenschen ein und wurde wegen dieser Überzeugung sogar ermordet. Sie und andere Mitglieder des weißen Rose sind wahrscheinlich die besten Vorbilder für junge Menschen wie uns, oder eigentlich für jeden auf der Welt. Wir müssen aber auch alles daran setzen, dass ein Opfer wie das von Sophie Scholl, die von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, nie mehr nötig sein wird.

 

Deswegen finde ich „Schule ohne Rassmius – mit Courage“ so wichtig und bin sehr stolz dass unsere Schule jetzt eine ist. Zuerst war es für jeden von uns nur ein kleiner Schritt auf der Liste zu unterschreiben. Zuerst Mal ist es nur unser Name auf Papier. Doch eigentlich ist das viel mehr: Wir haben uns dazu verpflichtet, Vorurteile zu bekämpfen und Projekte zu diesen Themen durchzuführen. Vor allem der erste Teil, das Vorgehen gegen Diskriminierung, ist wirklich wichtig. In der Schule muss man oft leise sein und den Mund halten, aber wenn sich jemand rassistisch, sexistisch, homophob oder in sonstiger Weise diskriminierend äußert dann müssen wir den Mund aufmachen. Und genau darin liegt die Botschaft von diesem Projekt: Man muss sich immer wieder daran erinnern, zu was man sich verpflichtet hat. Hass auf Alles, was in kleinster Weise anders oder fremd ist, gibt es ungefähr schon so lange wie es Menschen gibt. Er verschwindet nicht einfach, weil wir einmal unterschreiben oder einmal sagen „Rassismus ist blöd“. Man muss immer wieder gegen ihn vorgehen. Das ist ein Kampf ohne Ende - aber trotzdem kein aussichtloser.

 

Klar kann man sagen „Deutschland hat seine schlimmsten Zeiten hinter sich“. Und ja, wir leben in einer Demokratie und einer pluralistischen Gesellschaft. Aber wenn man in letzter Zeit die Tagesschau eingeschaltet hat, dann sieht man warum Projekte wie Schule ohne Rassismus so wichtig sind und aktueller nicht sein könnten. Wenn Menschen durch die Straßen von Chemnitz rennen und den Hitlergruß zeigen, klatschen und jubeln wenn abermals ein Schiff mit Flüchtlingen auf dem Mittelmeer untergegangen ist oder Menschen verprügelt werden, weil sie sich in jemanden des gleichen Geschlechts verliebt haben, dann darf man nicht zusehen. Weniger extrem aber eigentlich genauso so schlimm ist es, dass in ganz Europa oder auf der ganzen Welt Populismus und radikale Aussagen immer gesellschaftsfähiger werden. Europa driftet auseinander, viele Menschen wollen sich abschotten und sich nur um ihr eigenes Land kümmern. Aber wie cool ist bitte Europa? Viele von uns kommen gerade aus dem Urlaub und sind zu einem Großteil einfach mit dem Auto nach Italien, Kroatien etc. gefahren. Ohne Probleme können wir Grenzen überschreiten oder Sachen von überall aus der Welt in kürzester Zeit zu uns nach Hause liefern lassen. Das alles ist selbstverständlich für uns, aber wenn es wegfallen würde, dann würde unser alles Leben ganz anders aussehen. Freiheit und Gemeinschaft machen Deutschland und Europa aus und sie verdienen es geschützt zu werden - immerhin sind viele Menschen dafür gestorben.

 

Deswegen ist die Schule ohne Rassismus schon ein Schritt in die richtige Richtung, und wir werden noch viele weitere tun in Form von Projekten bei denen wir etwas für's Leben lernen, aber gleichzeitig mal keinen gewöhnlichen Unterricht haben - und das ist immer gut. Es gibt aber noch andere Dinge die jeder tun kann oder muss. Ich möchte alle hier die schon 18 oder älter sind unbedingt daran erinnern wählen zu gehen. Dieses Jahr noch ist die bayerische Landtagswahl, nächstes Jahr die Europawahl. Das Problem ist nämlich, dass all die Menschen die offen im Internet oder auf der Straße andere ungleich behandeln auch diejenigen sind, die es am Wahlsonntag kaum erwarten können zur Wahlurne zu rennen und die darauf hoffen das demokratiefeindliche Menschen an die Macht kommen. Diesen Menschen dürfen wir unser Land aber nicht überlassen, sie sind auch nicht in der Mehrheit. Deswegen geht wählen oder wenn ihr noch nicht dürft dann erklärt Verwandten, Geschwister oder Eltern, die denken, dass ihre eine Stimme keinen Unterschied macht, dass jede Stimme zählt und nervt sie solange bis sie wählen gehen. Oder einfacher, interessiert euch einfach für eure Mitmenschen. Ich glaube viele von uns machen das schon, aber man ja aktiv darüber reden wie die eigene Familie lebt. Jeder von uns ist so verschieden und davon können wir profitieren. Das beste Beispiel dafür ist Essen. Essen geht immer und wer isst nicht gern z.B. italienisch, türkisch, indisch oder griechisch?

 

Damit möchte ich jetzt auch langsam aufhören und nur nochmal sagen, dass es nicht immer riesige Aktionen sein müssen, die etwas bewirken können. Nicht jede von uns muss gleich Bundeskanzlerin werden. Es gibt aber eine afrikanische Weisheit, die eigentlich alles sagt und die ihr vielleicht schon mal gehört habt. Ich habe sie in der 10. Klasse auf Berlinfahrt in der East Side Gallery, also auf der Berliner Mauer, entdeckt. Ich nehme sie mir immer wieder zu Herzen und vielleicht tut ihr das ja jetzt auch. Meine letzten Worte für heute sind: Viele kleine Leute, die in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

 

schule ohne rassismus

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