head mobile

Live-Blog: Multinationales Seminar in Den Haag

teaser den haag

Fünf europäische Länder, die alle ihre eigenen Traditionen und Kulturen pflegen aber auch Teil der gemeinsamen Idee Europa sind, lernen sich in ihrer Verschiedenheit und Gemeinsamkeit über je sechs junge Menschen kennen.

Dänemark – Deutschland – Island – Niederlande – Rumänien

Das ist die Idee hinter dem multimedialen und multinationalen Seminar „Diskriminierung im vielfältigen Europa“ in Den Haag, an dem sechs Schülerinnen der neunten Jahrgangsstufe des Sophie–Scholl–Gymnasiums in Begleitung von Herrn Sauer und Frau Schneider teilnehmen. In enger Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Institut der Landeshauptstadt München wird die Gruppe vom 10. März bis zum 17. März 2017 die niederländische Hauptstadt besuchen.

Im Rahmen von diversen Workshops und Seminaren werden sich die TeilnehmerInnen mit dem Thema „Diskriminierung im vielfältigen Europa“ beschäftigen und untereinander austauschen. Abends werden sich die Gruppen gegenseitig zu Traditional Evenings einladen, im Rahmen derer die jeweilige Heimat unter anderem durch ein landestypisches Buffet für alle Anwesenden vorgestellt wird.

Auf dem Programm stehen zudem der Besuch der Stadtverwaltung von Den Haag, einer niederländischen Schule, des Friedenspalasts, des europäischen Informationsbüros, einer europäischen Botschaft sowie ein Ausflug nach Amsterdam.

Die Schülerinnen werden jeden Abend – und somit fast live! - hier über ihre Erlebnisse und Erkenntnisse berichten.

Freitag, 10.03.2017

Morgens halb zehn in Deutschland, genauer am Münchner Flughafen: 8 Flaschen Spezi, 5 Dosen Weißwürste, süßer Senf, Allgäuer Käse, Landjäger in erfreulicher Menge, eine Riesenpackung Haribo und diverse andere Leckereien werden auf die Koffer verteilt – nein, wir haben keine Angst in Den Haag zu verhungern, aber wir müssen für die anderen zirka 40 Teilnehmer_innen einen Traditional Evening mit typisch deutschem bzw. bayerischem bzw. münchnerischem Essen ausrichten.

DHNach einem unspektakulären Flug, einer Erkundungstour durch einen niederländischen Supermarkt, einer kurzen Zugfahrt und einer längeren Busfahrt werden wir von Cristina, der Koordinatorin des Seminars, in Kijkduin begrüßt. Unsere Küche im Ferienhaus ist mit diversen niederländischen Leckereien gefüllt, unter anderem mit eigenartigen Fleischprodukten, wilden Saftmischungen, einem massiven Block Gouda und bunten Streuseln, die man hier aufs Butterbrot streut.

Nachdem wir diesen ersten Kulturschock verdaut haben, durften wir anschließend noch einen wunderbaren Abend am Strand genießen. In gespannter Erwartung auf den morgigen Beginn des Programms – und vor allem auf die Teilnehmer aus den anderen Ländern – lassen wir den Abend beim üblichen Serienprogramm gemütlich im Wohnzimmer des deutschen Hauses ausklingen.

Welterusten aus Den Haag!

Richard Sauer und Melanie Schneider

Samstag, 11.03.2017

DH3Frau Schneider, Marie und Marie haben uns heute in der Früh ein leckeres und gesundes Frühstück mit Toastbrot zubereitet. Jeder am Tisch hat das leckere echte deutsche Brot vermisst, da das Toastbrot -notdürftig im Ofen/Mikrowelle getoastet- nicht annähernd so gut ist. Um 10 Uhr haben wir uns mit den anderen Gruppen, insgesamt zirka 50 Personen, in einem zirka 4 Quadratmeter großen Raum getroffen. Nach einer kurzen Einführung konnten wir uns mit den anderen Gruppen bekannt machen. Dabei haben wir erfahren, dass man in Island Hai isst und die Rumänen Tsuica als Nationalgetränk haben, welches stärker als Wodka ist. Beim Lunch mit einem Teil der holländischen Gruppe wurde uns erklärt, wie man in Holland Zwieback mit bunten Zuckerstreuseln isst.

DH2Nach einer längeren Busfahrt durften wir den beeindruckenden Friedenspalast leider nur von außen betrachten und später eine kleine Führung durch das Informationszentrum machen. Zu Fuß sind wir zum Panorama-Mesdag-Museum gelaufen und haben dort sein großes Panorama von Scheveningen bestaunt. Am Palast Noordeinde, dem Wohnsitz der niederländischen Königsfamilie in Den Haag, wurden wir für den Rest des Nachmittags entlassen und durften auf eigene Faust Den Haag erkunden. Bei einem netten Essensstand hat uns der Verkäufer “Hallo” = “Hoi” und “Dankeschön” = “Dank u wel” beigebracht. 

 Den Traditional Evening haben heute die Niederländer übernommen. Besonders geschmeckt haben uns die “Stroopwafeln” und die Lakritze in zwei Geschmacksrichtungen. Nach einer interessanten, aber leider längeren Präsentation über die Niederlande fielen wir erschöpft ins Bett.

Marie R., Marie W. und Charlotte C.

Sonntag, 12.03.2017

Obwohl man Vorurteilen keinen Glauben schenken sollte, stellte sich eins doch als wahr heraus: Die Niederländer erschienen bisher immer mit ihren Fahrrädern. Dank dem gestrigen gemütlichen niederländischen Abend begann das Programm heute erst eine Stunde später, sodass wir genug Zeit hatten, uns gemütlich fertig zu machen und zu frühstücken.

DH4

Unser Programm startete mit einem etwas merkwürdig geplanten Spiel, welches aber auch sehr schnell abgebrochen wurde. Im Anschluss bildeten sich internationale Gruppen, wobei einige mehr Glück mit der Kommunikationsfähigkeit der anderen Gruppenmitglieder hatten als andere. Wir erstellten Plakate zum Thema Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturen. Während des gemeinsamen Mittagessens einiger Gruppen haben wir erfahren, das Isländer verrückt nach McDonalds sind. Diesen gibt es nicht in Island, weshalb sie auch eine 6 Kilometer lange Wanderung durch Den Haag für dieses Essen in Kauf nahmen.

Nach der Mittagspause haben wir in multinationalen Gruppen diskutiert, was einen perfekten Europäer ausmacht und dies für eine spätere Präsentation beim zweiten Bürger von Den Haag festgehalten. Nach Meinung der Isländer sei dies Bier, Käse und der Eurovision Songcontest (und natürlich McDonalds). 

Das Programm endete überraschend früh, sodass wir noch bei Traumwetter einen Strandnachmittag verbringen konnten.

DH5

Den Tagesabschluss bildete wieder der Traditional Evening, dieses Mal waren die Rumänen an der Reihe. In rumänischer Tracht und mit Titanic-Begleitmusik präsentierten sie ihr Land und ihre Unmengen an Fleisch.

Sára H., Livia S. und Halide T.

Montag, 13.03.2017

Nach einem sehr frühen Frühstück sind wir mit einem überfüllten Bus zu dem niederländischen Sozialministerium gefahren. Dort hat Herr Martijn Kraaij eine ausführliche Präsentation zur Integrationspolitik in den Niederlanden gehalten. Wir kamen zum Schluss, dass in Deutschland und in den Niederlanden mit denselben Herausforderungen gekämpft wird. In der Mittagspause sind wir schnell zum einzigen deutschen Bäcker gelaufen und haben uns sofort eine Brezn gekauft (wir können ungetoastetes Toast nicht mehr sehen geschweige denn essen). Weil wir den Sitz der Ersten Kammer - so etwas wie der Bundesrat in Deutschland - nicht finden konnten, haben wir zwei Polizisten nach dem Weg gefragt. Doch die Polizisten konnten uns nicht helfen. Der Witz dabei war, dass wir genau vor dem Eingang waren und die Polizisten diesen bewachten. Dank des früheren Verteidigungsministers und Senators Wim van Eekelen durften wir statt auf den Besuchertribünen an den Tischen der Senatoren sitzen. Bei einer kurzen Führung hat uns Herr van Eekelen das wunderschöne, atemberaubende und beeindruckende Gebäude gezeigt. Besonders die Bibliothek mit den unter anderem über 200 Jahre alten Büchern hat uns sehr gefallen.

DH6

Marie W. und Charlotte waren sehr angetan und bedankten sich im Namen der ganzen Gruppe bei Herrn van Eekelen, der auch am Traditional Evening teilnahm, der heute von der polnischen Gruppe veranstaltet wurde. Positiv überrascht waren wir von einer traditionell polnischen Kartoffelsuppe, die mit Wurst und Eiern gegessen wird. Auch die Süßigkeiten, wie Pflaumen in Schokolade und die sogenannte Vogelmilch, waren köstlich. Aber ab jetzt beginnt der Stress, da wir mitten in den Vorbereitungen für unseren morgigen Traditional Evening stecken. Wir hoffen, dass er ein voller Erfolg wird.

Marie R., Charlotte C. und Marie W.

Dienstag, 14.03.2017

Etwas erschöpft durch die letzten Tage starteten wir den Tag mit Spiegeleiern zum Frühstück. Obwohl wir selbstständig zum Treffpunkt fahren wollten, landeten wir doch wieder mit gefühlt tausend anderen Jugendlichen im vollgequetschten Bus. Unser Programm startete im House of Europe, in dem uns die Aufgaben der europäischen Kommission erklärt wurden und wir darüber diskutierten. Danach liefen wir gemeinsam zur Polnischen Botschaft, in der zwei Diplomaten uns einiges über das Land und die Integration von Polen in den Niederlanden erzählten. Im Anschluss gab es Käsekuchen und Apfelsaft.

DH 7

Während der sehr kurzen und hektischen Mittagspause wollten wir Sandwiches essen. Leider wurden unsere Bestellungen vollkommen durcheinander gebracht und ein wichtiger Teil vergessen - der Bacon einer Isländerin. Mittlerweile war die Pause schon vorbei, wir standen aber immer noch an der Theke und diskutierten über den Bacon. Letztendlich bekam sie ihn und wir konnten mit dem Essen im Mund zum Treffpunkt zurück hetzen.

Die niederländischen Teilnehmer_innen führten uns im Anschluss durch ihre Schule, das Sorghvliet-Gymnasium, woraufhin sich viele einen Schulwechsel durch Umzug in die Niederlande überlegten (Kommentar Frau Schneider und Herr Sauer: wahrscheinlich nur, weil Schüler_innen selbst im Unterricht ständig ihr Handy nutzten).

DH 8

Nun war es soweit: Die Vorbereitungen für unseren Traditional Evening begannen. Unter anderem bereiteten wir Kartoffelsalat, Obatzten und Rote Grütze zu. Nach dem Essen, für das wir viel Lob erhielten und unserer sehr unterhaltsamen Präsentation hörten wir uns noch isländisch-deutsche Musik an (Wunderbar von Áttan - googelt es, ihr werdet dankbar für dieses Erlebnis sein!). Der Abend war hammermegageilkrass der Wahnsinn (wir durften nicht "ein voller Erfolg" schreiben).

Sára H., Livia S. und Halide T.

Mittwoch, 15.03.2017

DH 9

Wie man auf dem Foto unschwer erkennen kann, hat uns unsere Reise heute nach Amsterdam geführt. Nach einer zweistündigen Anreise haben wir als erstes eine Grachtenfahrt gemacht und dabei erste Eindrücke von Amsterdam gewonnen. Dabei haben wir erfahren, dass es zirka tausend Brücken und 100 Kilometer Grachten gibt. Auch konnten wir die wunderschöne Architektur der Stadt bewundern und haben gelernt, dass es in der Stadt mindestens fünf verschiedene Arten von Dachgiebeln gibt. Anschließend aßen wir in einem niederländischen Pancakehouse zu Mittag. Bei unserem vierzigminütigen “Spaziergang” zum Van Gogh Museum konnten wir Amsterdam näher erkunden. Leider blieb uns deswegen im Museum nur noch eine halbe Stunde und so mussten wir dieses im Schnelldurchlauf besichtigen. Wir alle waren sehr von den Gemälden begeistert und sind mit offenem Mund aus dem Museum gegangen. Eigentlich wären wir gerne noch ins Moco Museum mit einer Ausstellung des weltberühmten Streetart-Künstlers Banksy und des Surrealisten Dali gegangen, dazu fehlte uns aber leider die Zeit. Nach einem langersehnten und gemütlichen Abendessen in unserer "Villa", das von allen zusammen zubereitet wurde, haben wir den morgigen Termin mit dem Vize-Bürgermeister von Den Haag vorbereitet und gespannt auf die endgültigen Wahlergebnisse der Parlamentswahl in den Niederlanden gewartet.

Charlotte C., Marie R. und Marie W.

Donnerstag, 16.03.2017

Traurig aber aufgeregt starteten wir unseren letzten vollen Tag in Den Haag. In unseren rosafarbenen und weißen Blusen machten wir uns auf den Weg zum Stadthuis, dem Rathaus, während andere Gruppen das Treffen mit einem der Vize-Bürgermeister als nicht so wichtig erachteten und in Jogginghosen erschienen. Wir präsentieren unsere in der letzten Woche erarbeiteten Ergebnisse und lauschten im Anschluss einer inspirierenden Rede des Vize-Bürgermeisters zum Thema Vielfalt und Inklusion. Danach verbrachten wir unseren letzten freien Nachmittag in der wunderschönen Innenstadt.

Dh 10

Um ein letztes Mal Vorurteile zu widerlegen, erschienen wir minimal zu spät zur Abschlussrunde, in der die Erfahrungen des Seminars zusammengefasst und evaluiert wurden. Den Tagesabschluss bildete der fünfte Traditional Evening, organisiert von den beiden isländischen Gruppen. Einige Teilnehmer amüsierten sich sehr über die Videobeiträge zu der die Straße überquerenden Rentierherde und zur Aussprache des Vulkans Eyjafjallajökull, während wir die isländischen "Köstlichkeiten" probierten. Bizarrerweise gab es keinen Fisch, dafür unter anderem eine nach Katzenfutter riechende Fleischsuppe, aber auch Milchreis und eine leckere Nachspeise aus Baiser, Sahne, Schokolade und Beeren.

 DH11

Danach tauschten wir Handynummern und Social-Media-Accounts aus undverbrachten die letzte gemeinsame Zeit bevor wir uns von unseren neu gewonnenen Freunden verabschieden mussten.

Sára H., Livia S. und Halide T.